Das Leipziger Universitätsorchester

Die Gründung
Das Leipziger Universitätsorchester wurde im Oktober 2003 als Leipziger studentisches Orchester gegründet. Aus anfänglich einigen wenigen Begeisterten wurde innerhalb kürzester Zeit ein vollständiges, klassisch besetztes Sinfonieorchester mit 43 Musikern. Die Initiatoren, Studierende verschiedener Fachrichtungen der Universität Leipzig, hatten offenbar eine "Marktlücke" entdeckt. Musikalischer Ehrgeiz, Spaß am gemeinsamen Musizieren bei trotzdem überschaubarem Probenaufwand schien eine große Zahl von Laienmusikern anzusprechen.
Die ersten Proben des jungen Klangkörpers fanden Anfang November 2003 im Krochhochhaus am Augustplatz statt. Schnell wurde es dort zu eng und das wöchentliche Üben wurde in die Aula der Physikfakultät verlegt. Mit Norbert Kleinschmidt als Gründungsdirigenten und Dóra Ombódi als Solistin des ersten Konzertes fanden sich zudem begeisterungsfähige Profis, die mithalfen, aus Enthusiasmus Realität werden zu lassen.
So konnte dann am 15. Januar 2004 das Gründungskonzert des "Leipziger studentischen Orchesters" im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses zu Leipzig stattfinden. Dass auch auf Seiten des Publikums eine Marktlücke bestand, zeigte sich, als der Saal sich beängstigend rasch füllte. So konnten die Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók, das 1. Flötenkonzert in G-Dur von W. A. Mozart und die 104. Sinfonie ("Londoner") von Joseph Haydn vor vollem Haus aufgeführt werden. Der erste Schritt auf die Bühnen Leipzigs war vollbracht.


Der Weg zum Uniorchester

Dies gelang auch, weil zahlreiche Personen und Institutionen uns dabei unterstützten, so das Musikgeschäft Opus61, das Gewandhaus zu Leipzig, der StudentInnenRat der Universität Leipzig, das Studentenwerk Leipzig, der Alumni-Verein der Medizinischen Fakultät und nicht zuletzt die Universität Leipzig selbst. Diese Zusammenarbeit mit der Universität wurde am 13. Februar 2004 auch offiziell bestätigt, als das Rektorat beschloss, uns als Leipziger Universitätsorchester anzuerkennen.
Im "Festkonzert zur Namensgebung", am 27. Juni 2004, diesmal im Großen Saal des Gewandhauses, wurde dieser Akt feierlich begangen. Das Orchester hatte sich bereits auf 74 Teilnehmer vergrößert und konnte nun als großes Sinfonieorchester Claude Debussys Petite Suite, das 1. Klavierkonzert von Sergej Prokofjew sowie Antonín Dvoráks 8. Sinfonie vor einem wohlgefüllten Saal erklingen lassen. Als Leiterin hatten wir im ersten Probedirigat am 26. Januar 2004 Anna Shefelbine, eine Dirigentin aus Berlin gewählt.


Unterstützung
Natürlich galt es auch, einige logistische Herausforderungen zu überwinden: Nachdem wir den Probenraum noch zwei weitere Male gewechselt hatten, konnten wir nun endlich einen Raum in der Mensa Jahnallee beziehen. Außerdem war es durch den Anschluss an die Leipziger Universitätsmusik möglich, weitere Infrastruktur der Universität nutzen, z.B. für Verwaltung, Internet, Transporte usw. Aber auch von anderer Seite kam im Sommer 2004 viel Unterstützung: Der StudentInnenRat der Uni Leipzig war begeistert von der Idee eines studentischen Sinfonieorchesters und wir erhalten seitdem umfangreichen Mittel aus dem Kulturreferat des StuRa. Zu guter letzt begann eine enge Zusammenarbeit mit dem MDR-Sinfoniorchester. Schon die Stimmproben konnten wir in diesem zweiten Semester unseres Bestehens unter der Leitung von Dozenten aus dem Rundfunkorchester durchführen. Instrumente, der MDR-Probensaal für die Generalprobe und Werbemittel waren für uns weitere wichtige Schritte auf dem Weg zur großen Bühne.

Struktur
Das Aushängeschild des Leipziger Universitätsorchesters ist seine konsequent durchgeführte demokratische Selbstverwaltung. Jedes einzelne Orchestermitglied hat auf den verschiedenen organisatorischen Ebenen ein Mitspracherecht und kann persönliche Ideen und Meinungen in die Orchesterarbeit einbringen. Am Ende eines jeden Semesters findet eine große Vollversammlung aller Orchestermitglieder statt, bei der grundsätzliche, die Orchesterarbeit betreffende Entscheidungen, gefällt werden. Dort werden auch  der Orchestervorstand und die/der KonzertmeisterIn sowie ihre/seine StellvertreterIn für das neue Semester gewählt. Im Plenum wird anhand schriftlich gesammelter Aspekte und Kritikpunkte das vergangene Halbjahr reflektiert und ausgewertet.
Konstruktive Vorschläge und hitzige Diskussionen wechseln sich in den Stunden dieser ausgedehnten Abende ab. Bei größeren Problemen dauert es oftmals einige Zeit, bis eine Lösung gefunden wird, die alle Beteiligten zufrieden stellt. Von den Orchestermitgliedern wird in diesen Runden   Kompromissbereitschaft, Flexibilität, Teamgeist und Ideenreichtum gefordert.
Vor Beginn des neuen Semesters gibt es außerdem eine extra stattfindende Programmwahl, in der die Stücke für das nächste Konzertprogramm gewählt werden. Dazu treffen sich im Voraus einige Leute freiwillig in einer Programmgruppe, um gesammelte Vorschläge des Orchesters auszuwerten und zu sortieren. Die getroffene Auswahl wird bei der Programmwahl hörbar und mit wichtigen Hintergrundinformationen vorgetragen und anschließend zur Wahl gestellt.
Innerhalb jeder Stimmgruppe wählen die Orchestermitglieder zu Beginn eines Semesters einen Stimmführer,  der besonders auf Besetzung und Qualität innerhalb einer Stimmgruppe achtet. In den Proben hat übernimmt er zudem eine leitende Funktion. Zusätzlich gibt es noch einen Stimmgruppenverantwortlichen, welcher sich um die Belange und die Atmosphäre einer Stimmgruppe kümmert, die Anwesenheit der Mitglieder dokumentiert und als Vermittler verschiedener Aspekte mit dem Vorstand agiert.

 

Mitglieder
Das LUO setzt sich aus StudentInnen der verschiedensten universitären Fachrichtungen zusammen. Größere Anteile besetzen die MedizinerInnen und SchulmusikerInnen, doch auch Musik-, Natur- und Kultur- und GeisteswissenschaftlerInnen, JuristInnen und PharmazeutInnen finden den Weg in das Orchester. So können die StudentInnen in diesem breitgefächerten Spektrum einen Blick über den Tellerrand werfen, den Bekanntschaften und Austausch mit anderen Studienrichtungen bringen Abwechslung in einen Studienalltag der oft auf eine Fakultät konzentriert ist.

Was alle miteinander vereint sind die Freude und der Wille, gemeinsam zu musizieren. In einem Probespiel, an dem jedes angehende LUO-Mitglied  teilnehmen muss, entscheidet das Orchester demokratisch über Aufnahme oder Ablehnung der BewerberInnen.  Vorgespielt werden darf ein selbst gewähltes Stück sowie einige Probestellen aus dem Semesterprogramm. Die Fluktuation im Orchester ist groß und jedes Jahr werden in allen Stimmgruppen engagierte neue MitspielerInnen gesucht, die Teil des Orchesters werden möchten.