Konzertreise zum European Student Orchestra Festival – 04.-09. April 2017

Frühmorgens am 4. April 2017 starteten wir unsere diesjährige Orchesterreise. Zunächst mussten alle Instrumente und Mitreisenden Platz in den beiden Reisebussen finden. Das große Ziel war Leuven in Belgien, wo wir zum ersten Mal am internationalen „European Student Orchestra Festival“ – kurz ESO-Festival – teilnahmen. Doch auf dem Weg dorthin machten wir zunächst noch in Bielefeld Halt, um dort ein Benefizkonzert, unterstützt vom Lions Club, zu geben. Maria von Haebler aus den 2. Geigen hatte an ihrer ehemaligen Schule diesen gelungenen Auftakt unserer Reise für uns organisiert.

Am frühen Nachmittag trafen wir in Bielefeld an den Friedrich-von-Bodelschwingh-Schulen, bestehend aus Berufskolleg, Sekundarschule und Gymnasium, ein und wurden zugleich sehr freundlich von Schülern und Lehrern empfangen. Nach einem leckeren Mittagessen in der Schulmensa begannen auch direkt die Proben für unser Konzert am Abend. Neben Tschaikowskys 4. Sinfonie probten wir gemeinsam mit dem großen Schulorchester sowie der Big Band Arrangements der Ouvertüre von Rossinis „Barbier von Sevilla“ und Richard Strauß’ „Also sprach Zarathrustra“ sowie eine Bearbeitung des James Bond Klassikers „Skyfall“ nach dem Original von Adele. Zwischen den Proben konnten wir uns an einem tollen Kaffee- und Kuchenbuffet bedienen und auch bereits unsere Gastgeschwister kennenlernen, deren Familien sich freundlicherweise bereit erklärt hatten, einen oder gleich zwei von uns für eine Nacht bei sich aufzunehmen.

Der Abend war ein voller Erfolg, mit viel Spaß und Enthusiasmus spielten wir gemeinsam mit unseren neuen Orchesterkollegen ein für alle sehr kurzweiliges Konzert. Wir waren beeindruckt, was die Bielefelder SchülerInnen und LehrerInnen auf die Beine gestellt haben!

Während der ein oder andere sich nach dem Konzert noch fit genug fühlte, den Start der Orchesterreise gebührend einzuläuten, wurden die meisten von ihren Gastfamilien nach Hause begleitet und mit einem zweiten Abendessen begrüßt. An guter Verpflegung sollte es uns wahrlich nicht fehlen in diesen Tagen!

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an unsere Gastfamilien, die uns für eine Nacht so liebevoll aufgenommen haben, sowie an Alle, die an der Organisation des Konzerts beteiligt waren, allen voran natürlich Maria Haebler, die sich ganz besonders für dieses einmalige Projekt eingesetzt hat. Besser hätte unsere Orchesterreise wirklich nicht starten können!

Pünktlich um 8 Uhr trafen wir uns am nächsten Morgen bereits wieder in der Schulaula, denn neben dem Benefizkonzert am gestrigen Abend sollte es noch ein sogenanntes Gesprächskonzert für die 6. Klassen des Gymnasiums geben. Dabei spielten wir nochmals Ausschnitte aus Tschaikowskys 4. Sinfonie vor, dieses Mal jedoch mit Erklärungen zum Wesen einer Sinfonie, dem allgemeinen Aufbau eines Orchesters, Anekdoten aus Tschaikowskys Leben und kleinen Aufgaben für die motivierten Schülerinnen und Schüler. Dabei war ein Teil der Schüler so begeistert, dass sie wohl am liebsten direkt Frédéric Tschumis Platz hinter dem Dirigentenpult eingenommen hätten.

Wir hatten viel Spaß mit den jungen Schülern und hoffen, dass wir einen Beitrag dazu leisten konnten, ihre Begeisterung für klassische Musik zu entfachen!

Nachdem wir uns ausführlich von unseren Gastgeschwistern verabschiedet hatten, versprechen mussten, bald wieder zu kommen und bereits den ersten angeschwollenen Knöchel fachmännisch versorgen hatten, war unser nächstes Ziel Leuven. Dort waren wir in der ehemaligen Klosteranlage „La Foresta“, etwa 15 Minuten entfernt von Leuvens Zentrum, untergebracht.

Ob es eine gute Idee ist, ein Orchester auf Orchesterreise in einem Kloster mit strikten Ruhevorschriften unterzubringen, darüber mag jeder für sich selbst entscheiden.

Nachdem wir unser Gepäck auf unsere Zimmer gebracht haben, ging es ohne Pause direkt weiter mit Shuttlebussen des ESO-Festivals ins Zentrum Leuvens. Da kann es im Eifer des Gefechts schon einmal passieren, dass man ein wichtiges Orchestermitglied in der Klosteranlange vergisst. Aber es dauerte nicht lange, da waren wir alle wieder glücklich vereint bei der Begrüßung des ESO-Teams in der Universitätsmensa. Und konnten direkt Kontakte knüpfen mit Mitgliedern der anderen Universitätsorchestern. Insgesamt waren neun Orchester aus sieben Ländern vertreten! Neben Leipzig, Münster und Freiburg sowie dem Gastgeber-Orchester aus Leuven selbst, waren die Universitätsorchester aus Dublin, Kopenhagen, Straßburg, Amsterdam und Tallinn angereist, um gemeinsam ein paar unvergessliche Tage in Belgien zu erleben. Eine kleine Überraschung gab es auch direkt am ersten Abend schon für uns Gäste: ein Jutebeutel mit dem Logo des Festivals für alle Teilnehmenden. Sicher ein schönes Andenken für Alle!

Nach dem Abendessen ging es dann direkt los mit dem ersten Konzert. Eröffnet wurde das Festival vom Gastgeber persönlich mit Tschaikowkys „Capriccio Italien“ und Schostakowitschs 5. Sinfonie. Ein Applaus an dieses Orchester und die tolle Organisation der 3. Ausgabe des ESO-Festivals.

In einem Club mitten in der wunderschönen Altstadt Leuvens konnten wir den ersten Abend gemeinsam ausklingen lassen, bevor es wieder zurück ins „La Foresta“ ging. Wobei nicht für alle der Abend an dieser Stelle zu Ende war, so viel darf gesagt sein...

Nach einer kurzen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück ging es am nächsten Morgen wieder nach Leuven, wo wir von unserem zuständigen „Orchesterbuddy“ Valentijn, selbst Cellist im Leuvener Universitätsorchester und hoffentlich bald im Rahmen seines Erasmus-Aufenhaltes in Leipzig auch einer von uns LUOsern, eine kleine Stadtführung bekamen. Beeindruckt waren wir dabei nicht nur von der Altstadt, sondern natürlich auch von den guten belgischen Waffeln.

Am frühen Nachmittag probten wir nochmals Tschaikowskys 4. Sinfonie, um nach einem letzten Feinschliff perfekt für das Konzert am nächsten Tag vorbereitet zu sein.

Am Abend erwarteten uns dieses Mal gleich drei Orchester. Dublin, Tallinn und Freiburg gestalteten das zweite Konzert des Festivals.

Und wieder erwartete uns danach eine Überraschung des Organisations-Teams. Es gab typisch belgische Pommes für uns nach Ende des Konzerts! Frisch gestärkt beschlossen Einige, den Abend noch gemütlich in einer der vielen Bars ausklingen zu lassen.

Der Freitagmorgen diente uns zum Ausruhen und Entspannen – außer für ein paar Tapfere unter uns, die gemeinsam mit Mitgliedern der anderen Orchester im Rahmen des eigens gegründeten „European Student Orchestra“ für ihren Auftritt am Samstagabend probten.

Für uns war die Generalprobe nachmittags angesetzt, sodass wir nach dem Mittagessen noch etwas Zeit hatten, das schöne Wetter zu genießen.

Am Abend waren wir dann mitverantwortlich für die Gestaltung des dritten Konzerttages. Als zweites Universitätsorchester nach Kopenhagen durften wir ein letztes Mal Tschaikowskys 4. Sinfonie vor großem Publikum spielen. Belohnt wurden wir mit einer tollen Atmosphäre, viel Applaus und sogar Standing Ovations! Mit einem tollen Gefühl konnten wir die Bühne verlassen und dem letzten Orchester dieses Abends, dem Universitätsorchester aus Straßburg, zuhören, bevor uns eine weitere Überraschung des Organisations-Teams erwartete. Am dritten Festivaltag gab es für alle einen großen Empfang mit belgischem Bier, gesponsert von der Brauerei Leffe, in der alten „Universiteitshal“ mit einem tollen Ausblick über die Stadt Leuven. Dieser Abend wird uns allen in sehr guter Erinnerung bleiben.

Der letzte Tag des Festivals war für Alle, die nicht im „European Student Orchestra“ mitspielten, für einen Ausflug nach Brüssel vorgesehen. Gemeinsam mit unseren netten Busfahrern machten wir zunächst Halt, um das beeindruckende Atomium zu besichtigen, sowie einen Blick in die „Basilique Nationale du Sacré-Coeur“ zu werfen.

Bis zum Nachmittag hatten wir dann Zeit, in kleinen Grüppchen die Hauptstadt Belgiens zu erkunden, unsere Bäuche mit viel Pommes, Waffeln und Schokolade vollzuschlagen oder für ein paar Stunden einzutauchen in das politische Zentrum Europas.

Der letzte Abend bot nicht nur musikalisch gesehen einen Höhepunkt. Das Amsterdamer Universitätsorchester lief zur Höchstform auf und das „European Student Orchestra“ krönte das viertägige Festival mit einer tollen Darstellung der 4. Sinfonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy unter der Leitung von Ben Haemhout.

Und wie es sich für ein Musik-Festival gehört, war natürlich auch dieser Abend noch lange nicht zu Ende. Gefeiert und getanzt wurde noch bis in die Morgenstunden mit neugewonnenen Freunden aus den anderen Orchestern, bevor es dann am nächsten Morgen in den Bus zurück nach Leipzig ging.

Ein großes Dankeschön geht neben der tollen Organisation des Festivals selbst natürlich auch an unser persönliches Organisations-Team – Franziska Stimper, Johanna Rüdiger und Maria von Haebler – die sich unermüdlich für einen reibungslosen Ablauf unserer Reise eingesetzt haben.

Wir kommen mit tollen Eindrücken von dieser Reise zurück und freuen uns bereits jetzt auf unser nächstes Konzert Ende Juni!


Felicia Krämer