Konzertreise in die Niederlande – 23. bis 29. März 2014

Am Sonntag den 23. März 2014 versammelten wir uns in aller Hergottsfrühe mit Schlafsack und Pack, Instrumentenkoffern und schlaftrunkenen Augen in morgendlicher Stille in der Eilenburgerstraße 15. Nach kurzer Zeit fuhr ein riesiger Reisebus samt Anhänger vor und wurde in Teamarbeit mit vielen Kisten Lebensmitteln zur Selbstversorgung; Pauken, Dirigierpult, Instrumenten, Noten und natürlich den müden MusikerInnen beladen. Gut 40 Reisewillige waren mit an Bord. Mit der nahenden Abreise Richtung Niederlande erschienen dann auch die Gesichter zunehmend wacher und die Vorfreude auf eine schöne und spannende Reisezeit breitete sich aus. Nach einem letzten Check ging es endlich los!
Auf dem musikalischen Programm der Reise stand „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms, das in Zusammenarbeit mit dem „Studentenkoor Nijmegen“ erarbeitet und aufgeführt werden sollte. Im Voraus hatten wir ein Probenwochenende in Leipzig veranstaltet und den Orchesterpart einstudiert. Nun erwarteten wir gespannt den Zusammenklang von Chor und Orchester.

Nach vielen Stunden gemütlicher Busfahrt, aufgelockert durch Pausen mit Gurkenbrot und Anekdoten am Rande der Autobahn, erreichten wir unser Ziel: „Het Buitenhuis“ nahe Nijmegen, eine Unterkunft für PfadfinderInnen, idyllisch gelegen in einem von Seen und Wäldern durchzogen Naturschutzgebiet.
Der Kontrast zur gewohnten Jugendherberge, die mit festgelegten Essenszeiten und Regeln Tagesabläufe strukturiert, war zunächst groß, aber sollte während des gesamten Aufenthalts eine höchst entspannte Atmosphäre von Freiheit und Selbstverantwortung schaffen. Alle Abläufe funktionierten durch die Arbeit des tollen Organisationsteams und die Mithilfe  der Orchestermitglieder fast immer reibungslos. Kochteams sorgten für leckerste Mahlzeiten, missgestimmte Busfahrer wurden besänftigt, Essensräume zu Probensälen oder Dancefloors umfunktioniert und der sonnige Innenhof zwischen den Gebäuden als Ort für Austausch und Ruhepausen genutzt. Die gewisse Gelassenheit, die im Lebenskonzept der NiederländerInnen verankert ist, übertrug sich umgehend auf uns. Sie tat uns gut, spannte aber auch gelegentlich die Geduldsfäden mancher ein wenig zu straff.

Am Abend der Ankunft sollte unsere erste gemeinsame Probe mit dem niederländischen Studentenchor um 19.00 beginnen, doch ereignete sich zunächst eine kleine Katastrophe. Der dicke, schwerbeladene Bus blieb im sandigen Waldboden des „Parkplatzes“ gnadenlos stecken und konnte erst durch den Einsatz eines netten Traktorbesitzers aus seiner misslichen Lage befreit werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir jedoch schon ohne Instrumente die Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln angetreten, um den Chor bei einem Pizzaessen persönlich kennenzulernen. Als dann endlich die Instrumente eintrafen, fügten wir in einer ersten Probe Chor- und Orchesterpart des Brahmsrequiems zusammen; eine aufregende und anstrengende, aber lohnenswerte Angelegenheit.

Der nachfolgende Montag war angefüllt von Erkundungsgängen durch Nijmegen, gemeinsamen Stunden mit dem Chor bei Pfannkuchen mit Sirup, abwechslungsreicher Kammermusik und einer Probe in der Kirche in Elst, in der das erste Konzert geplant war. Das Requiem wuchs musikalisch immer weiter zusammen und wir freuten uns auf den ersten Auftritt, den unser Dirigent Raphael  leiten sollte.
Am Dienstagabend machten wir uns erneut nach Elst auf, gespannt auf den bevorstehenden Abend. Die Kälte der an diesem Tag ungeheizten Kirche überraschte uns, aber die im Konzert erklingende Musik erwärmte dies ausgleichend alle Herzen. Ein schöner Auftakt! Im Anschluss feierten wir noch bei einem kleinen Umtrunk in einer nahegelegenen Kneipe und lernten die Mitglieder des Chores besser kennen.

Der Mittwoch bot ein besonderes touristisches Highlight der Reise. Einen ganzen Tag lang  durften wir Amsterdam, die Hauptstadt der Niederlande, erkunden. Einige Leute unternahmen Grachtenfahrten und Museumsgänge, andere ließen sich von den vielfältigen Eindrücken durch die Straßen treiben und genossen ohne genaues Ziel die Atmosphäre der Stadt. Besonders in Erinnerung bleibt der Besuch einer kurzen öffentlichen Generalprobe im „Concertgebouw“,  dessen beeindruckender Konzertsaal vom Architekten Adolf Leonard van Gendt entworfen wurde. Die Ausgestaltung des Raumes wurde, so konnten wir herausfinden, inspiriert von der Architektur des zweiten Gewandhaus in Leipzig, dem Neuen Concerthaus, das im zweiten Weltkrieg in der Beethovenstraße zerstört wurde. Abends fuhren wir mit müden Füßen und sehr entspannt beschwingt wieder Richtung „Buitenhaus“. Leider musste uns auch Raphael an diesem Tag verlassen, da seine Pflichten als Philharmoniker ihn wieder nach Berlin riefen.

Den nächsten Morgen verbrachten wir mit einer schönen Probe, die der niederländische Dirigent Hans de Wilde leitete und uns so auf das Abschlusskonzert am Freitag vorbereitete. Nachmittags machten wir uns auf nach Utrecht, welches sich als eine wunderschönbeschauliche Stadt entpuppte. Interessante kleine Läden luden zum Bummeln und hübsche Cafes an den Kanälen zum Niederlassen ein.

Am Freitag hieß es Abschied nehmen von unserer liebgewonnenen Unterkunft. Putzen und Packen sowie Suchen und Finden von Verlorengeglaubtem, schafften am Vormittag einige aktionsreiche Stunden. Im Anschluss machten wir uns auf nach Nijmegen, wo wir am Abend ein tolles Konzert in einer gut gefüllten Kirche spielen durften. Nach einer kurzen und knackigen Abschlussparty saßen wir glücklich und geschafft von den Erlebnissen der letzten Tage wieder in unserem Bus, der über Nacht  Richtung Leipzig rollte.

Doch der musikalische Austausch zwischen den Niederlanden und Deutschland war nach der Rückkehr nach Leipzig zum Glück noch nicht beendet. Gut einen Monat später stand der Gegenbesuch der HolländerInnen an. Das Organisationsteam ging noch einmal an die Arbeit. Zwei Konzerte in Leipzig und Halle wurden geplant, Unterkünfte gebucht, für eine Grillparty eingekauft, Solisten gesuchten und der Chor durch motivierte Leipziger SängerInnen vergrößert. Vom 26.04 bis zum 03.05. 2014  durften wir erneut eine schöne Zeit zusammen erleben und manche Freundschaft konnte vertieft werden. Überwältigend war insbesondere das zweite Konzert in der Peterskirche Leipzig, bei dem die vorgedruckten Karten bei weitem nicht ausreichten und die große Kirche sich bis zum Rand füllte. Es wurde mit viel Freude und Leidenschaft musiziert und die Mühe und Arbeit des gesamten Projekts hat sich für alle Beteiligten in jedem Fall gelohnt. Gerne unternehmen wir weitere Konzertreisen!

Maria Reinartz